Kommissar a. D.
Vierzig Jahre Berliner Polizei haben Erdmann einen Blick für das beigebracht, was nicht stimmt – auch wenn es nach außen noch so korrekt wirkt. Seine Verhöre waren Gespräche, seine Ermittlungen Geduldsspiele. Die Kollegen nannten es „Erdmanns Spürsinn“. Er selbst nannte es „Zuhören, wenn andere reden“.
Im Ruhestand hat er sich ein neues Revier gesucht: einen Tennisclub. Sandplätze, Vereinsheim mit Geranien und Menschen, die ihre alten Rechnungen in weißen Polos austragen. Erdmann sitzt am Spielfeldrand, der Thermobecher dampft, und sein Blick folgt längst nicht nur dem Ball. Hinter Doppelfehlern und Getränkemarken entdeckt er Abgründe, über die andere hinwegsehen.
Mit Trenchcoat, lakonischem Witz und viel Geduld nimmt er Menschen ernst, ohne ihren Selbstdarstellungen zu glauben. An seiner Seite: Lina Berg, die die richtigen Fragen stellt, und Schröder, der lernt, auch auf die Pausen zwischen den Antworten zu hören.